Clickertraining ist eine Trainingsmethode, die auf positiver Verstärkung basiert und die den Blick des Menschen auf das Pferd nachhaltig verändern kann. Die Trainingsart orientiert sich an wissenschaftlichen Grundsätzen aus der Lerntheorie und kann dabei helfen, ein „faules“ Pferd zu motivieren oder Tricks zu erlernen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass man sich mit den Grundlagen beschäftigt, bevor man loslegt, um nicht aus Versehen das Falsche anzuerziehen.
Was ist Clickertraining?
Clickertraining nutzt ein sogenanntes Markersignal, das dem Pferd genau sagt, wann es etwas richtig gemacht hat und dass es jetzt ein Leckerli dafür bekommt. Namensgebend ist der Klick durch den Clicker oder den Zungenclick, es kann aber theoretisch auch ein Markerwort verwendet werden. Danach folgt eine Belohnung, meist ein Leckerli, seltener Lob oder Streicheln, je nachdem was für das individuelle Pferd am sinnvollsten ist. Durch diese klare Kommunikation lernt dein Pferd schnell, welches Verhalten erwünscht ist.
Die Methode beruht auf der operanten Konditionierung: Verhalten, das belohnt wird, wird wahrscheinlicher wieder gezeigt und kann so in kleinen Schritten bewusst antrainiert werden.
Wie funktioniert das Training?
Clickertraining lässt sich in mehreren Schritten aufbauen:
1. Konditionierung des Clickers
Bevor du mit dem eigentlichen Training startest, muss dein Pferd eine einfache Gleichung verstehen:
Click = Belohnung
Dazu clickst du und gibst sofort danach ein Leckerli. Das machst du mehrfach hintereinander, bis das Pferd die Verbindung erkennt. Aber Achtung: Am besten kombinierst du das direkt mit Höflichkeitstraining (das Pferd sollte den Kopf etwas auf Buggelenkshöhe direkt vor sich tragen und die Lippen geschlossen halten). Das sollte die Ausgangsposition sein, denn so schaffst du es, dass du dein Pferd nicht zum Betteln erziehst.
2. Shaping: Verhalten in kleinen Schritten formen
Beim Shaping belohnst du alle Annäherungen an ein gewünschtes Verhalten und formst so Schritt für Schritt das Zielverhalten. Das heißt: Du musst dir erst mal überlegen, was das Ziel ist und es dann in möglichst viele kleine Ziele unterteilen (und dir überlegen, wie du diese erreichen kannst).
3. Timing ist entscheidend
Der Click muss genau in dem Moment erfolgen, in dem das Pferd das erwünschte Verhalten zeigt. So versteht das Pferd klar, was belohnt wird. Wenn das Timing nicht stimmt, kann schnell aus Versehen ein falsches Verhalten antrainiert werden.
Vorteile des Clickertrainings
Förderung von Lernfreude und Motivation
Pferde lernen, selbst mitzudenken, werden aktiver und machen mit Freude mit.
Stärkung der Beziehung
Durch positive Verstärkung entsteht Vertrauen, weil das Pferd seine Umgebung bewusst mitgestaltet (sein Verhalten hat einen direkten Einfluss darauf, ob es eine Belohnung bekommt oder nicht) und versteht, was von ihm erwartet wird.
Stressarme Kommunikation
Clickertraining arbeitet ohne Zwang oder Strafe. Das kann den Stress des Pferdes reduzieren und eine sichere Lernumgebung fördern. Ich bin aber ehrlich: Es gibt auch Pferde, die sich zunächst durch das Futterlob stark stressen lassen. Hier sollte mit Bedacht vorgegangen werden, Ruhe verstärkt und die Belohnung überprüft werden.
Vielseitigkeit im Einsatz
Clickertraining eignet sich nicht nur für Tricktraining oder Bodenarbeit, sondern auch für Lernbereiche wie Gelassenheit, Verladetraining, Wippentraining und das Medical Training.
Medical Training: Stressfrei durch Tierarzt & Co.
Oftmals bedeutet der Tierarztbesuch oder auch die alljährliche Wurmkurgabe Stress für Mensch und Pferd. Wir haben dann schon im Kopf, dass es sicher nicht funktioniert, verstecken die Spritze hinter dem Rücken und versuchen irgendwie, unser Pferd zu überlisten, um ihm die Medizin doch noch zu verabreichen.
Bei der Wurmkur mag das noch nicht so schlimm sein, aber spätestens bei einer Tierarztuntersuchung kann es schnell gefährlich für Mensch und Pferd werden.
Dabei kann man genau solche Situationen vorbereiten und trainieren, damit es für alle Beteiligten ungefährlich ist.
So lassen sich diverse Situationen in einer ruhigen Umgebung vorbereiten. Darunter fallen:
- Wurmkurgabe
- Augen kontrollieren und Augensalbe geben
- Gabe von Spritzen (Impfung oder Blutabnahme)
- Abtasten des Pferdekörpers
- Röntgen der Beine
- Fiebermessen
- Ohren abtasten und untersuchen
- und vieles mehr
Das Ziel ist, ein kooperatives und entspanntes Verhalten in potenziell stressigen Situationen zu erreichen. Und zwar durch positive Erfahrungen und Mitbestimmung statt Zang.
Praktische Tipps für den Einstieg
Kurz und häufig trainieren: Mehrere kurze Einheiten à 3-5 Minuten sind oft effektiver als lange.
Timing üben: Je genauer der Click im richtigen Moment sitzt, desto klarer ist die Kommunikation.
Handling üben: Auch für den Menschen ist Clickertraining am Anfang koordinativ anspruchsvoll. Übe das Clicken und Füttern vorab ohne Pferd.
Belohnungen variieren: Neben Futter können auch Streicheln, Spiele oder Pausen geeignete Verstärker sein. Überprüfe ohne Clicker, was für dein Pferd funktioniert (du erkennst es daran, dass das Pferd das gewünschte Verhalten häufiger zeigt) und was ggf. Stress verursacht. Dabei können auch unterschiedliche Futtersorten unterschiedlich angenommen werden.
Kleine Schritte: Große Sprünge überfordern dein Pferd und werden bei euch beiden zu Frustration führen. Teile schwierigere Aufgaben in kleine, klar belohnte Schritte auf.
Häufige Fragen & Mythen
Wird mein Pferd zu „verfressen“?
→ Nein! Wir starten immer erst einmal mit intensivem Höflichkeitstraining! Dein Pferd wird also eher höflicher als unhöflicher, wenn du das Clickertraining richtig nutzt.
Ist das nicht nur „Tricktraining“?
→ Nein! Das Clickertraining kannst du für fast alles nutzen. Ich persönlich nutze es gern für Verladetraining, Medical Training oder Gelassenheitstraining, aber du kannst es auch bei der Freiarbeit, beim Spazierengehen oder sonstigen Aktivitäten mit deinem Pferd verwenden.
Muss ich dann immer alles mit Futter belohnen?
→ Nein! Du kannst auch nur für einzelne Trainingseinheiten Futterlob nutzen und ansonsten weitermachen wie du es bisher kennst.
Ist Clickertraining das einzig pferdefreundliche Training?
Nein, definitiv nicht! Wie pferdefreundlich oder stressbelastet ein Training ist, hängt immer vom Menschen ab, nicht ausschließlich von der Methode. Clickertraining kann, wie gesagt, zu gestressten Pferden führen. Gleichzeitig ist es aber eine tolle Methode, um dem Pferd Kooperationssignale beizubringen und damit auch ein Selbstbestimmungsrecht zurückzugeben.
Ich persönlich arbeite nur in bestimmten Situationen mit Clickertraining (z.B. Medical Training, Wippentraining und Verladetraining). Dafür empfinde ich das Clickern als die sinnvollste Trainingsform, in anderen Bereichen arbeite ich „klassisch“ mit negativer Verstärkung. Das ist mein aktueller Stand auf der Basis meiner Erfahrungen und soll nicht als die eine Wahrheit verstanden werden.
Fazit
Clickertraining kann eine sehr pferdefreundliche Trainingsform sein, die auf positiver Verstärkung basiert und Pferde motiviert, mit Freude zu lernen. Es fördert Selbstständigkeit, Vertrauen und Kooperation, sowohl im Alltagstraining als auch in anspruchsvollen Bereichen wie Medical Training. Gleichzeitig benötigt es die Bereitschaft dazu, selbst dazuzulernen und sich selbst immer wieder zu reflektieren.
Wenn du aus Nordhessen kommst, unterstütze ich dich und dein Pferd gern beim Clickertraining.
Buch-Empfehlung
Für alle, die noch tiefer ins Clickertraining einsteigen möchten, empfehle ich „Mach mich stark! Mit dem Clicker bis zur Hohen Schule“ von Dr. Dana Rindermann. Dr. Rindermann verbindet fundiertes Wissen über Pferdeverhalten mit praxisorientierten Schritt-für-Schritt-Anleitungen und vielen Bildern. Dabei findet man alles, von den Grundlagen bis zu anspruchsvolleren Lektionen, in dem Buch. Damit ist es eine wertvolle Ergänzung für jeden, der Clickertraining verstehen und anwenden will.
Taschenbuch: 29,99€*
eBook: 23,99€*
Seitenzahl: 272 Seiten
Verlag: Cadmos
Autorin: Dr. Dana Rindermann
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